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Abstracts


Stefan Altmeyer
(Mainz)

Wie lernt man, anders zu denken? Der Beitrag geht dem Zusammenhang von Denkformen und Darstellungsformen nach und fragt, was daraus für Bildungsprozesse folgt – und warum Denkformkompetenz auch Vielfalt in den Formen des Darstellens braucht.

 

(Koblenz)

Wie lässt sich Kirchengeschichte im Zeitalter visueller Kulturen und Künstlicher Intelligenz neu denken? Der Workshop stellt das Konzept einer Visual Hermeneutic vor, das historische Texte nicht nur philologisch interpretiert, sondern durch Visual Design in Seelenlandkarten, Body Maps und Diagramme übersetzt. Anhand mittelalterlicher Quellen wird gezeigt, wie neue Formen der Visualisierung historisch-theologische Erkenntnisse eröffnen und zugleich Chancen und Grenzen einer visuellen DenkFormKompetenz reflektieren. 

 

(Koblenz)

Texträume zwischen Bibel und Poesie – Einblicke in ein interdisziplinäres Projektseminar

In diesem Workshop werden die Ergebnisse wie die Arbeitsweise eines raumästhetischen Projektseminares vorgestellt und diskutiert, welches die Bedeutung von Text-Text-Beziehungen in den Mittelpunkt rückt. Dabei geht es um die Frage, inwiefern Raumkonzepte dabei helfen können, die intertextuellen Beziehungen von Texten greifbar zu machen und so Anknüpfungspunkte für bibel-, literatur- sowie raumdidaktische Überlegungen bieten. Im Konkreten haben Studierende der Universität Koblenz (SoSe 26) Verbindungen zwischen biblischen Texten und lyrischen Werken der gegenwärtigen Autorin Ulla Hahn auf Grundlage kreativer wissenschaftlicher Arbeitsweisen diskutiert, dekonstruiert und ins Bild - besser gesagt - in den Raum gebracht. Diese Rauminstallation reist nun nach Münster und hält viel Gesprächsstoff bereit für einen DenkFormKompetenz-Workshop unter der Leitung von Jana Katharina Dahm.

(Wien)

Der ästhetische Diskurs der Theologie

In einem ersten Teil bestimme ich mit Christoph Menke Ästhetik als einen Diskurs, der Kunstwerke und künstlerische Prozesse so interpretiert, dass sie auch Auskunft über philosophische und theologische Grundfragen geben. Umgekehrt geht der ästhetische Diskurs auch davon aus, dass philosophische und theologische Grundfragen nicht ohne den Bezug auf konkrete Werke der Kunst behandelt werden können. Künstlerischer und philosophischer/theologischer Diskurs fallen dabei jedoch nicht in eins, der künstlerische Diskurs fordert den philosophischen (vgl. Paul Ricoeur).

Im zweiten Teil führe ich drei Beispiele an, die sich darauf beziehen, wie wir Theologie betreiben: die Frage alternativer Formen des theologischen Schreibens, die Begleitung textbasierter Seminare durch Stadtspaziergänge, Ausstellungsbesuche und Konzerte und die Bedeutung von Exkursionen. 

(Münster)

Ist politischer Protest eine eigene theologische Denkform? Und welche Kompetenzen werden gebraucht, um ihn als solches zu verstehen, zu analysieren und zu praktizieren? In diesem Workshop dienen die Ereignisse rund um die Pieper-Preisverleihung an den US-amerikanischen Bischof Robert Barron im Sommer 2025 in Münster als Beispiel, um den theologischen Gehalt der verschiedenen Protestformen zu entdecken. Akteure, Materialität und Performanz brachten auf vielfältige Weise theologische Fragen und Aussagen in die Stadt. Während einerseits politische Theologie in klassischer (Text- und Diskurs-) Form produziert wurde, kam durch Aktionen, Begegnungen und Leerstellen ebenfalls theologisches Selbstverständnis zum Ausdruck. Im Workshop wird diese Vielfalt der Formen erschlossen und nach den Wechselwirkungen im theologischen Raum gefragt.

(Hamburg)

Workshop: Performance Thinking – Theologie im Loop

Ein Satz. Viele Stimmen. Viele Körper. Ein Raum.

Was geschieht, wenn wir eine theologische These nicht diskutieren, sondern rezitieren, variieren, im Körper bewegen, räumlich miteinander verhandeln? Welche Erkenntnisse entstehen, wenn Denken nicht (nur) sprachlich, sondern performativ geschieht?

Dieser Workshop lädt dazu ein, theologisches Denken als performativen Prozess zu erfahren. Gemeinsam erkunden wir, wie Erkenntnis dort entstehen kann, wo Sprache, Körper, Raum und Begegnung ineinandergreifen. Aus einer einzigen Aussage entwickeln wir durch performative Exploration schrittweise kleine performative Miniaturen und fragen anschließend: Was ist geschehen? Welche Bedeutungen (oder Bedeutungszuschreibungen) sind entstanden? Was wurde denkbar, weil wir gehandelt haben statt nur zu sprechen?

Im Wechsel von praktischer Erprobung, kurzen Inputs und gemeinsamer Reflexion geben wir Einblick in das Konzept des Performance Thinking, das wir im Forschungsnetzwerk Postsecular Performance entwickelt haben. Es sind keine Theatererfahrungen erforderlich – nur die Bereitschaft, sich auf dieses Experiment einzulassen.

(Münster) 

Workshop: Was ist Gott für mich - Videografische Formen theologischen Denkens

Zwei Schüler drehen einen Kurzfilm: "Was ist Gott für mich" (kein Fragezeichen!). Der Film ist intensiv - aber steht hinter ihm eine theologische Auseinandersetzung? Die Schüler selbst geben kaum Auskunft über ihren Prozess. Vielleicht ist die auf Erklärung hoffende Nachfrage falsch? 
In diesem Workshop schauen wir auf zwei videografische Produkte aus Schule und Hochschule, die zugleich beeindrucken und Fragen aufwerfen. Schlüssel zu deren Beantwortung könnten (in Form von Inputs) sein: eine Vergewisserung, was religiöse Bildung eigentlich ist, und Hartmut Rosas Idee der Resonanz als Bildungsgeschehen. Damit schauen wir auf die (mögliche) theologische DenkForm "Video" und arbeiten gemeinsam heraus, worin ihr Potenzial liegt und was notwendig ist, um es zu entfalten.

Christian Kern
(Münster)

Titel des Workshops: „Luminiscence“ – Kirche als immersive Licht-, Sound- und Gefühlserfahrung

Anstract: "In mehreren Kathedralen und Kirchen in Großstädten Europas und Sudamerikas wurde in den vergangenen beiden Jahren „Luminiscence“ ausgeführt, eine immersive Licht-, Ton- und Soundshow, in denen die Geschichte der Gebäude und ihrer Städte zu Licht und Leben erweckt werden. Die Teilnehmer*innen tauchen ein in eine intensive Atmosphäre aus Klang, Gefühl, Raum und Farbe und werden durch die Geschichte der Kathedrale und/oder ihrer Stadt geführt. 2025 machte die Show halt in Münster. Die Produktionsfirma Lotchi und Banijay Entertainment erarbeiteten zusammen mit Mitwirkenden des Bistums Münster eine 1-stündige Show, die im Winter 2025 in Münster mit großem öffentlichen Interesse aufgeführt wurde. Was charakterisiert eine Form der Aufführung wie Luminiscence? Worin besteht ihr Zauber und ihre Anziehungskraft? (Inwiefern) handelt es sich um eine Form ästhetischer Theologie? Was ist das Immersive darin und ist die Immersionserfahrung eine Form von Spiritualität? Im Workshop erleben wir anhand ausgewählter Video- und Bildmaterialien Luminiscence nach und diskutieren diese Fragen" 

 

(Erfurt)

Formen sind dem Denken nicht äußerlich. Sie prägen, was sich sagen, wahrnehmen und erkennen lässt. Lyrik ist deshalb nicht bloß schmückende Sprache oder Ausdruck bereits fertiger Gedanken. Im Gedicht geschieht Denken selbst: in Verdichtung, Rhythmus, Bild, Bruch, Klang und Anrede. Gerade für theologische Arbeit wird das dort wichtig, wo begriffliche oder formelhafte Sprache an Grenzen gerät. Poetische Sprache kann Erfahrungen von Entzug, Unsagbarkeit, Schuld, Hoffnung, Gegenwart oder Abwesenheit so erschließen, dass sie weder banalisiert noch vorschnell festgelegt werden. Darin liegt ihr theologisches Potential. Zugleich bleibt sie a-theologisch, insofern sie sich nicht in Lehre, Eindeutigkeit oder religiöse Verfügbarkeit auflösen lässt. Das Panel lädt dazu ein, Lyrik als eigenständige Denkform zu erkunden und auch zu erproben: nicht als Beiwerk der Theologie, sondern als Sprachpraxis, die Wahrnehmung schärft, Ambiguität aushält und neue Möglichkeiten theologischen Sprechens eröffnet. 

(Mainz)

Digitale Spiele sind längst zu einem Massenmedium geworden, dessen Reichweite kaum zu überschätzen ist. Nicht nur Jugendliche, sondern Menschen jeden Alters, Geschlechts und Backgrounds spielen Digitale Spiele und verbringen viel Zeit in den dort bereitgestellten Welten. Aus der Sicht der Kirchengeschichte lässt sich u.a. fragen, welche Themen, Personen und Motive aus der Kirchengeschichte in Digitalen Spielen übernommen werden, wie diese dargestellt werden und was daraus über die Sicht der Nicht-Fachwelt auf das eigene Forschungsgebiet gelernt werden kann. Mit etwas breiterem Blick lässt sich zudem fragen, ob in und mit Digitalen Spielen eigentlich Theologie getrieben werden kann oder ob Digitale Spiele dazu benutzt werden können, theologisches Denken anzuregen.

In diesem Workshop wird es zunächst einen Input des Referenten zum Medium und zu Grundfragen der Analyse Digitaler Spiele geben, damit auch all diejenigen einen Überblick haben, die bisher selbst nicht oder wenig gespielt haben. Anschließend werden wir uns gemeinsam Beispiele anschauen und die oben skizzierten Fragen diskutieren.


(Neuendettelsau)

Inter-Dance & Theologie“ nennt Heike Walz ihren Ansatz, der erleben lässt, wie Körper im Tanz zum Ort gelebter theologischer Reflexion werden. Als Beispiel dient der Argentinische Tango – selbst ein Hybrid aus Migration, Sehnsucht und transkultureller Verschmelzung. Tango/Tanz kann zum existenziellen Laboratorium für das werden, was Homi K. Bhabha als politischen „Dritten Raum“ bezeichnet, ein produktiver Zwischenraum, in dem starre Gegensätze nicht einfach kollidieren, sondern neu verhandelt werden: Migration und Heimat, Geist und Körper, Nähe und Distanz, Bewegung und Stillstand, Denken und Handeln, Säkularität und Spiritualität, Privates und Politisches, Weibliches und Männliches. 

In World Dance Cultures – verschiedenen Tanzkulturen weltweit – liegt das Potential, wort-sprachliche und kulturelle Barrieren zu überschreiten. Sich zu einem „movement turn“ in der Theologie provozieren lassen, das probieren wir spielerisch aus.

Tanzkenntnisse sind keine Voraussetzung. Wer bestimmte Tanzformen pflegt, wird sie einbringen können.